Impfungen bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen

In unterschiedlichem Ausmaß kommt es bei verschiedenen Knochenmarks- und Tumorerkrankungen zu einer verminderten Fähigkeit des Organismus, sich gegen Infektionen zu schützen. Diese Abwehrschwäche kann manchmal auch durch die notwendige Therapie der Erkrankungen zeitweise verstärkt werden. In diesem Zusammenhang wird häufig die Frage gestellt, ob die üblichen Impfungen durchgeführt werden können. Auch von Hausärzten erreicht uns oft die Frage, ob z.B. eine Grippe­schutz­­impfung bei Erkrankungen wie Leukämien oder Plasmozytom erfolgen kann.

Für Impfungen bei erwachsenen Patienten mit Abwehrschwäche gilt folgendes:

  1. Alle Impfungen mit Totimpfstoffen (z.B. Grippe, Pneumokokken, Tetanus, Hepatitis A und B, Diphtherie) können auch bei Patienten mit angeborener oder erworbener Abwehrschwäche ohne Gefahr von speziellen Nebenwirkungen verabreicht werden.

  2. Der durch die Impfung erreichte Schutz kann wegen der veränderten Immunantwort schwächer sein als bei gesunden Personen, evtl. sollte der Impferfolg durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden.

  3. Die üblichen Impfungen wie die Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken werden für Patienten mit Abwehrschwäche explizit empfohlen.

  4. Unter laufender Chemotherapie sollten Impfungen wegen der geringen Wirksamkeit allerdings nicht durchgeführt werden.

  5. Eine gewisses Risiko kann nur bei Lebendimpfstoffen (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Varicellen/Zoster, Gelbfieber), insbesondere bei Patienten nach erfolgter allogener Stammzelltransplantation (sog. Knochenmarkstransplantation von Verwandten- oder Fremdspender) oder unter immunsuppressiver Therapie bestehen. Hier sollte im konkreten Fall nachgefragt werden.

weitere Informationen unter: Grippeschutzimpfung bei Tumorerkrankung und Chemotherapie

   

15.10.2007
Dr. med. Christian Sperling